Forschungsprojekte

Forschungsprojekte

Vergangenheit erforschen, Zukunft gestalten

Geschichte(n) aufarbeiten und sichern

Forschungsarbeit mit Zeitzeugen

Die Gedenkstätte Hoheneck ist nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch ein Ort der wissenschaftlichen Aufarbeitung. Ausgangspunkt unserer Forschungen sind die Geschichten der Zeitzeuginnen.

In der Tradition der „Oral History“- Forschung starteten wir im Mai 2026 eine „neue“ Interviewreihe (lebensgeschichtlich[1]) mit ehemaligen inhaftierten Frauen, sowohl mit denen die bereits interviewt wurden, als auch mit denen die noch nicht über ihre Geschichte gesprochen haben. In erster Linie verfolgen wir weniger einen systemtheoretischen Zugang „von oben“, sondern eine „Erfahrungsgeschichte“ (Alexander von Plato 2011)[2] „von unten“ die von individuellen Schicksalen auf die strukturellen Bedingungen der damaligen SED-Diktatur Rückschlüsse zulässt. Dies ist weniger eine forschungsdogmatische Entscheidung als vielmehr eine pragmatische Vorgehensweise; denn das nur lückenhaft vorliegende und teilweise schwer oder gar nicht zugängliche schriftliche Quellenmaterial wie Haftkarteien, Anstaltsordnung, Krankenakten etc. sind die Geschichten der Frauen unser erster Ansatzpunkt. In unserem Forschungsteam hat die Multiperspektivität einen hohen Stellenwert, engagieren wir uns stark, für einen umfangreicheren Zugang zu schriftlichem Quellenmaterial, um die „Makrogeschichte“[3] von Hoheneck besser zu erforschen.

Das Ziel ist der Aufbau eines Zeitzeugenarchivs, das sowohl die persönliche Geschichte, als auch private und offizielle Dokumente archiviert und wissenschaftlich aufbereitet. Zuweilen basiert unser Wissen über die Gefängniszeit in der DDR auf den mündlichen Überlieferungen der ehemalig inhaftierten Frauen.

Nach der Durchführung der narrativen Interviews (mittels Audioaufnahme) werden diese nach zuvor festgelegten Regeln transkribiert und zur Analyse aufbereitet. Uns interessiert nicht nur die Haftgeschichte, sondern auch das Leben vor und nach Hoheneck.

  • Was waren die Haftgründe und welche Repressionen begegneten den Frauen bereits vor der Haft?
  • Wie sah das Leben nach der Haft aus? Welche psychischen und körperlichen Folgeschäden traten auf?
  • Erfolgte eine transgenerationale Weitergabe von Traumata und zeigt(e) sich diese?

Zum Teil können uns Zeitzeuginnen auch Ihre Stasiunterlagen, Haftakten etc. zur Verfügung stellen, die wir in die Interpretation miteinfließen lassen.

Derzeit stellen allerdings die Perspektive der ehemaligen Wärterinnen, als auch die der aus „nicht-politischen“ Gründen inhaftierten Frauen eine Forschungslücke dar. Diese Perspektiven sind jedoch ebenso notwendig, um ein umfassendes Bild der Haftzeit in der SED-Diktatur zeichnen zu können.
 

[1] eine qualitative Forschungsmethode

[2] von Plato, A. (2011). Oral History und Biografie-Forschung als" Verhaltens- und Erfahrungsgeschichte": Eine wissenschaftsgeschichtliche Skizze. Moving the Social45, 37-49.

[3] „Makrogeschichte“ verstehen wir hier als systemtheorethische Perspektive und komplementär zur „Erfahrungsgeschichte“. Zudem berücksichtigen wir die Organisationsebene „Gefängnis“ (= Mesoebene) indem wir uns mit Architektur und dem Vollzugswesen auseinandersetzen.

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