
Vom 24. bis 26. April 2026 richtete sich der Fokus der bundesweiten Aufarbeitung auf Sachsen. Unter dem Leitgedanken „Orte bleiben. Gedenkstätten und Zukunft des Erinnerns“ kamen rund 150 geladene Gäste, Vertreter von Opferverbänden sowie zahlreiche Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zum 29. Bundeskongress der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur zusammen. Der Auftakt erfolgte am Freitagnachmittag in Chemnitz mit einer feierlichen Eröffnung durch die sächsische Landesbeauftragte Dr. Nancy Aris, Dr. Anna Kaminsky von der Bundesstiftung Aufarbeitung sowie die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke. Grußworte von Ministerpräsident Michael Kretschmer und Landtagspräsident Alexander Dierks zeigten die politische und gesellschaftliche Relevanz einer lebendigen Erinnerungskultur an.
Der erste große Programmpunkt dieses Kongresswochenendes war der Besuch der Gedenkstätte Hoheneck am Samstag, dem 25. April. Der Tag in der ehemaligen Haftanstalt bot den Teilnehmenden Raum für fachlichen Austausch und tiefgehende historische Einblicke. Die Begrüßung erfolgte durch die Doppelspitze der Gedenkstätte, Dipl. Ing. Christian Ahner und Joseph Walthelm. Im Zentrum des Besuchs stand die Frage, wie die Geschichte Hohenecks als Ort des Mahnens bewahrt werden kann – eine Thematik, die durch die Anwesenheit der vielen ehemaligen Inhaftierten eine besondere Tiefe erhielt.
Das Programm vor Ort war darauf ausgelegt, das gesamte Areal erfahrbar zu machen. Christian Ahner übernahm persönlich zwei Führungen durch den Außenbereich, bei denen die Erschließung des Gebäudekomplexes und die historische Verflechtung des Ortes Hoheneck mit der Haftanstalt im Vordergrund standen. Parallel dazu boten Joseph Walthelm und Mirko Hohenhausen, einer der zahlreichen freien Mitarbeiter der Gedenkstätte, mehrere Rundgänge durch das Zellenhaus im Südflügel an. Diese Führungen vermittelten ein detailliertes Bild des Haftalltags. Insbesondere der Gang in den Keller zur Besichtigung der Wasserzelle verdeutlichte die drastischen Repressionsmethoden im ehemals zentralen Frauengefängnis der SED-Diktatur.
Ein besonderes Highlight für die Gäste bildete die Öffnung des ehemaligen Kirchenraums im Westflügel: Dies bot den Gästen die Gelegenheit, die restaurierte Anstaltsorgel in den Räumen des heutigen Theaters Burattino zu besichtigen.
Ergänzt wurde das Angebot durch Jan Wünsche von Form-ID, der aus kuratorischer Sicht die Entstehung der Dauerausstellung beleuchtete und in Gesprächen erklärte, wie komplexe Unrechtsgeschichte heute für ein breites Publikum aufbereitet wird. Jan Wünsche und seine Agentur waren zentrale Akteure bei der Errichtung der Ausstellung in Hoheneck. Für das leibliche Wohl sorgte außerdem das Team der Phänomenia.
Nach dem Besuch in Hoheneck folgten am Samstagabend Berichte aus verschiedenen Aufarbeitungsinitiativen und der Tagesausklang bei einem gemeinsamen Abendessen in Chemnitz. Am Sonntag, dem 26. April, stand der Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis im Mittelpunkt des Geschehens. Dort standen erneut Besichtigungen und intensive Gespräche auf dem Programm, die die Besonderheiten dieses Ortes – insbesondere seine Rolle im Kontext des Häftlingsfreikaufs – beleuchteten. Der Kongress endete mit einem gemeinsamen Gedenken an der Stele für die Opfer der Gewaltherrschaft 1945–1989. Mit dem Blick auf diese zwei bedeutenden sächsischen Gedenkstätten wurde deutlich, dass die „Zukunft des Erinnerns“ nur durch den Erhalt und die aktive Vermittlung solcher authentischen Orte gelingen kann.