
In einem Mix aus Erzählung, Lesung, Bildspots präsentieren Jana Schloßer (Halle/Saale, später Ost-Berlin) und Inka Brückner (Karl-Marx-Stadt), zwei Protagonistinnen der DDR-Punk-Szene, anhand ihrer Erlebnisse als widerständige Punk-Frauen in der DDR, gemeinsam mit dem Autoren Geralf Pochop ein bisher kaum aufgearbeitetes Stück DDR-Geschichte. Nancy, eine der 23 Protagonistinnen des Buches „Tanz auf dem Vulkan“, beschreibt Punk in der DDR so: „Punk zu sein an sich war schon eine Provokation. Aber als Mädchen so herumzulaufen, bedeutete wohl einen doppelten Tabubruch, so etwas wie ein Sakrileg im real existierenden Sozialismusverständnis der DDR.“
Die multimediale Lesung wird durch die Leipziger Musikerin Alena begleitet. Sie fügt musikalisch Texte Widerständiger DDR-Punk-Frauen authentisch in die Lesung ein.
Wann? 3. Oktober 2026, 18:00 Uhr
Wo? Gedenkstätte Hoheneck - Theatersaal, An der Stalburg 6, 09366 Stollberg
Der Besuch der Veranstaltung ist kostenfrei.
Aufgrund begrenzter Plätze bitten wir um vorherige Anmeldung über unsere Webseite.
„Ich freue mich riesig über & auf das neue Buch von und mit und über Euch & Eure Punk-Erfahrungen in der DDR! Ich werde es verschlingen!“ NINA HAGEN
„Wenn ein rigides System wie eine Diktatur anfängt zu bröckeln, kann es nicht schaden, wenn Opposition nicht nur im Untergrund brodelt, sondern auch an der Oberfläche sichtbar wird. Und das waren wir: unübersehbar, schrill und oft auch unüberhörbar!“ JANA SCHLOßER (Sängerin NAMENLOS)
Die Protagonistinnen:
Jana Schloßer, 1964 in Halle (Saale) geboren, Sängerin der kompromisslosen Ost-Berliner Punkband Namenlos. Auf Befehl von Staatssicherheitschef Mielke statuierte die Staatsmacht ein Exempel an der Band. Im August 1983 erfolgte die Inhaftierung sämtlicher Bandmitglieder, später die Verurteilung. Jana bekam 1,5 Jahre, von denen sie einen Teil im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck absaß. Nach Haftentlassung sang sie weiter in der Band Namenlos. Seit 2024 ist ihre Geschichte Teil der Dauerausstellung in der Gedenkstätte Hoheneck.
Inka, 1966 geboren, war seit Anfang der 1980er Jahre in der Karl-Marx-Städter-Punk-Szene aktiv. Ihre Wohnung fungierte als Treffpunkt subkultureller Jugendlicher. Sie organisierte mit Freund*innen Punk-Konzerte und Partys in Räumen der evangelischen Kirche. Im Zuge des Operativen Vorgangs „Venus“ – Ziel: „Zersetzung und Eliminierung“ der Punkszene in Karl-Marx-Stadt – setzte die Staatssicherheit 15 Inoffizielle Mitarbeiter auf sie an. 1985 folgten die Verhaftung sowie Verurteilung zu einer Haftstrafe. Nach Haftentlassung engagierte sie sich weiter in der Offenen Arbeit und war u. a. aktiv in der Kirche von Unten.
Der Autor: Geralf Pochop, 1964 geboren in Halle (Saale), kam als Hausbesetzer, Ostpunk und Wehrdienstverweigerer in Konflikt mit der Staatsmacht. 1983 wurde er bei dem Versuch eine Menschenkette zwischen der Sowjetischen- und der US-Botschaft zu bilden erstmalig verhaftet. 1987 kam es erneut zur Inhaftierung. Ein fingierter Prozess brachte ihm 6 Monate Haft ein. Im April 1989 schob ihn das SED-Regime in die Bundesrepublik ab. Seit seiner Rehabilitierung und Anerkennung als politischer Gefangener der DDR beschäftigt er sich intensiv mit der DDR-Vergangenheit und verfasste die autobiografischen Bücher "Untergrund war Strategie. Punk in der DDR: Zwischen Rebellion und Repression", „Zwischen Aufbruch und Randale. Der wilde Osten in den Wirren der Nachwendezeit“ sowie „Tanz auf dem Vulkan. Widerständige Punk-Frauen in der DDR“
www.untergrund-war-strategie.de
https://www.facebook.com/PunkinderDDR/
Das Bundesarchiv - Stasi-Unterlagen-Archiv Chemnitz begleitet diese Veranstaltung und bietet Beratungsmöglichkeiten rund um die Stasi-Akten an. Auch ein Antrag auf Akteneinsicht kann gestellt werden. Hierfür wird ein gültiges Personaldokument benötigt.
Die Veranstaltung ist Teil des Programmes „Sehnsucht nach Freiheit“. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
Bilder: Jana Schlosser, Geralf Pochop, Conny Steiner